Anneliese Gass-Tutt

Biographie von Wolfger Tutt:

 

Tanzen spielte in meiner Familie immer eine große Rolle. Das war in meiner Jugend so und es wurde nach meiner Heirat mit Anneliese-Tutt nicht anders. Ich hatte sie in der "Gruppe 61" von Hannes Hepp in Stuttgart kennen gelernt. Die Geburt unserer zwei Töchter schränkte die Tanzaktivitäten meiner Frau stark ein. Doch ohne Tanzen fehlte etwas Wesentliches in ihrem Leben. "Tanze doch mit Deinen Kindern," riet ihr meine Mutter, Ilse Tutt.

Erste Sondierungen auf dem Gebiet der Tänze für kleine Kinder führte sie zu dem Buchtitel "Klare, klare Seide" und den dort gesammelten einfachen Reigen im Kreis. Auf die Dauer befriedigte das nicht und sie begann, nach weiterem Material zu suchen. Das war mühsam, doch mit der Zeit kam ein vielseitige Sammlung von Materialien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zusammen. Im häuslichen Wohnzimmer wurden die Sessel beiseite geräumt und bald wollten immer mehr Nachbarskinder dazu kommen und mitmachen. Es war gut, dass wir in einem Einfamilienhaus wohnten und der Lärm und Jubel der Tanzaktivitäten niemanden stören konnte. Im Jahr 1972 waren 101 Tänze beisammen und in klare Beschreibungen gefasst. Herr Johannes Holzmeister und sein Fidula Verlag konnten für die Veröffentlichung gewonnen werden. Der Titel "Tanzkarussell 1" trug mit dazu bei, den Kindertanz als eine selbständige Tanzsparte zu etablieren. Das Buch wurde zu einem Standardwerk in der Ausbildung von Kindergärtnerinnen. Fast 84.000 Exemplare wurden in den 40 Jahren bis Ende 2012 verkauft. Das ist eine beachtliche Zahl für eine so spezielle Veröffentlichung. 1978 kam "Tanzkarussel 2", 1980 "Kinderparty-Kinderspaß" und "Leichte Tanzspiele für Kinderparties" dazu, die für verschiedene Altersgruppen und Gelegenheiten die passenden Tänze und Tanzspiele anboten.

In dieser Zeit nahm aber auch die unheilbare Krankheit von Anneliese Gass-Tutt, das Guillain Barré Syndrom, seinen Fortgang, die sie 1987 endgültig aus ihrem Schaffen für den Kindertanz und aus ihrer Familie riss. Mir blieben zahlreiche Tanzbeschreibungen und -ideen, die bis zu ihrem Tod nicht zur Vollendung gekommen waren, aber auch das Gedenken an eine gemeinsame Zeit mit schönen Ergebnissen.

Artikel von Anneliese Gass-Tutt bei Fidula