Details zur Kundenmeinung

Charivari (Musizieren mit Alltagsgegenständen)

Kundenmeinung (erstellt am 26. August 2008):
Was für ein schönes Buch! Endlich nicht mehr nur der Blick in die Ferne, zu exotischen Kulturen, die eine so viel reichere rhythmische Tradition haben, dass man sich oftmals unserer Kulturgeschichte und ihren rhythmischen Gepflogenheiten nur verschämt zu erwähnen traut.
Doch wie viel gibt es da zu entdecken! Es ist Jürgen Zimmermann zu verdanken, in diesem Buch die vielen Anlässe aufzudecken und wieder in Erinnerung zu bringen, bei denen auch in Mitteleuropa getrommelt, gestampft, geklappert – und auch gelärmt –wird. Es ist spannend und aufschlussreich zu lesen, welche Bedeutung die vielen Geräusche und „Lärm-Rituale“ bei uns hatten und noch haben. Das geht vom Polterabend über die Schützenvereine, bis hin zum Karneval, modernen Demonstrationen und Gewerkschaftsaufmärschen, bei denen Trillerpfeifen oder – musikalisch durchaus reizvoller – immer öfter auch Samba-Gruppen für die nötige akustische Aufmerksamkeit sorgen.
Doch Jürgen Zimmermann belässt es in seinem 220-seitigen Buch nicht bei wissenschaftlichen Analysen. Ausgehend von den traditionellen Ritualen entwickelt und beschreibt er Möglichkeiten, auch in unserer heutigen Zeit das Musizieren mit Alltagsgegenständen zu erleben. Die Beispiele sind konkret beschrieben, sowohl was das Instrumentarium betrifft als auch die Notation. Vorkenntnisse schlagzeugtechnischer Art sind kaum nötig, um die Bei¬spiele verstehen und spielen zu können. Sie eignen sich gut auch für große Gruppen und Ensembles, machen Spaß – und auch Lust, weiter zu forschen und neue, eigene Klänge im jeweiligen Umfeld zu entdecken.
Abgerundet wird das Buch durch ein gutes Register, geordnet nach Instrumenten, Liedbeispielen, Spieltechniken/Rhythmen und nach Spielideen. So kann man gezielt nach passenden Stichworten suchen und geeignete Spielstücke oder Techniken finden.
(Rezension in: "ORFF-Schulwerk-Informationen" 6/2005)