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Das Apfelkomp(l)ott (Musical)

Kundenmeinung (erstellt am 11. Januar 2018):
Mit dem multilingualen Musical „Das Apfelkomp(l)ott – Zoff an der Grenze“ liefert Andreas Schmittberger nicht nur ein erhellendes musikalisches Werk für Kinder und Jugendliche, sondern auch einen interessanten soziologischen Beitrag zu aktuellen Debatten. Schmittberger stammt aus der ehemals französischen Garnisionsstadt Saarlouis, was vermuten lässt, dass Grenzerfahrungen und die Berührung unterschiedlicher Kulturkreise ihm auch biographisch vertraut sind. So ist das Musical in einer deutsch-französischen, deutsch-englischen oder rein deutschen Version aufführbar.

Besonders gewählt erscheint der soziologische Hintergrund des Musicals, das „Robbers-Cave-Experiment“ – ein Experiment, das Erkenntnisse über Sozialstrukturen und Identitätsgewinnung in einem Zeltlager brachte. Wie dort werden auch im „Apfelkomp(l)ott“ zwei unterschiedliche Gruppen von außen manipuliert, zu Feinden gemacht und schließlich wieder zur Versöhnung geführt. Neben dem Thema Ausgrenzung und der soziologisch-politischen Dimension des Stoffes gibt es zeitgeschichtliche und kulturgeschichtliche Anspielungen im Musical, so der Bau einer Mauer zur Abgrenzung, die Bibel (Eva und der Apfel), die Trojanischen Kriege (Eris und der goldene Apfel) oder das Märchen Schneewittchen (der vergiftete Apfel).

Die thematischen Fäden führt Schmittberger musikalisch geschickt zusammen. Schon in der Ouvertüre werden die unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen (Beethoven, Rock, Boogie) gefällig kombiniert. Die Solo- und Chorpartien in kindgerechter Lage sind gut singbar und schnell erlernbar. Die Rap-Partien sowie die Disco-Sounds gliedern sich abwechslungsreich in die von beschwingten Folk-Tunes und eingängigen Melodien durchzogene Atmosphäre des Werkes. Die zwischengeschalteten Instrumentalstücke unterstützen den szenischen Verlauf auf der Bühne musikalisch treffend.

Insgesamt liefert der Komponist vertraut anmutende Melodien und einfache Begleitstrukturen. Besonderen Charme besitzen die mehrsprachig eingeworfenen Chorpartien. Das Musical ist bereits mit einfachen Mitteln im Klassenverband aufzuführen – was auch vorzuschlagen wäre, denn es gibt neben 15 Sprechrollen nur drei solistische Gesangsrollen. Für eine versierte Musicalgruppe ist dies jedoch eine zu geringe Anforderung. Im Aufführungsbericht wird auch darauf verwiesen, dass es möglich sei, alle Kinder (etwa 20 werden benötigt) alle Songs mitsingen zu lassen.

Die einsprachige Fassung kann bereits ab einem Alter von neun Jahren aufgeführt werden, die mehrsprachige Fassung verlangt realistischerweise mindestens ein Jahr Fremdsprachenunterricht. Ebenfalls enthält die Ausgabe viele praktische Aufführungshinweise. Das Musical verbindet die Fachdidaktiken und ermöglicht ein sinnvolles, fächerübergreifendes Arbeiten.