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Sprechgesang trifft Körperklang (Buch) – Musizieren mit alten Menschen

Kundenmeinung (erstellt am 6. August 2020):
Die Musikgeragogin Rita Richwehm legt mit dem Buch "Sprechgesang trifft Körperklang" eine spannende Ergänzung für die musikgeragogische Arbeit vor; nach ihrem letzten Werk "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" (2016, Fidula). In dem längeren Vorwort bzw. Theorieteil berichtet sie von den Stärken und Benefits der rhythmischen Arbeit mit älteren Menschen - größtenteils auf Basis ihrer Erfahrungen aus der Praxis und wenigen Verweisen auf (musikpädagogische) Fachliteratur. Dabei grenzt sie außerdem ihr Verständnis musikgeragogischer Arbeit knapp von Zielen der Musiktherapie ab und nennt Gemeinsamkeiten. Mithilfe ihrer Ausführungen entwickelt sie ein Anforderungsprofil für Anleitende. In den Vorbemerkungen werden zudem einige Begriffe erklärt; für Einsteigerinnen und Einsteiger in diese Art musikgeragogischer Arbeit sind die Grundlagen schön zu lesen - für Weiteres müsste auf andere Literatur verwiesen werden. Dies ist jedoch nicht das Hauptaugenmerk dieses Praxisbuchs.
Bevor der praktische Teil mit vielen kreativen Spielideen zum Einsatz von Rhythmen und Bodypercussion folgt, beschreibt sie die praktischen Grundlagen zur Ausführung verschiedener Möglichkeiten der Bodypercussion (in Adaption auf die Durchführung mit älteren Menschen); sie betont, dass diese Art des Musizierens niederschwellig sei, kein weiteres Instrumentarium benötig würde und das Musizieren somit nicht zu laut wie bspw. Fellinstrumente für die Klientel sei. Des Weiteren findet sich in diesem Teil auch ein Ansatz zum Erlernen von Metrum, Taktgefühl und Pulsation für die Zielgruppe, aber auch für Anleitende, die selbst keine ausgebildeten Musikerinnen und Musiker sind - ein eigenes Umsetzen der Bewunderung der Rhythmusschulung nach Ulrich Moritz, wie die Autorin selbst schreibt (bzw. ein so genanntes "Rhythmustraining"). Es handelt sich um einen mutmachenden Einstieg, wobei nicht erwartet werden kann, dass Laien somit rhythmische Grundlagen vollends erlenen. Hier soll vor allem Lust auf die Arbeit des Praxisteils gemacht werden, dem man ohne Angst und Scheu begegnen darf.
Im Praxisteil selbst finden sich viele Ideen, die in drei Kategorien aufgeteilt werden:
o Warmups (z. B. Klatschspiele, Sprechspiele und rhythmische Bewegungsspiele)
o Begleiten von Liedern mit rhythmischen Bewegungen und/oder Körperklängen (einstimmig, Kanons)
o Rhythmicals (ein- oder mehrstimmig)
Inhaltlich sind die Titel eine bunte Mischung, die von kecken Sprüchen, über Sprichwörter, Alltagssituationen, Kinderlieder, Volkslieder, Tages- und Jahreszeiten bis hin zu Verabschiedungen reicht. Am Ende des Buches finden sich eine Literaturliste, ein Glossar und Kopiervorlagen der Sprech- und Liedtexte in Großschrift.
Fazit: Rita Kirchwehm setzt kreative Ideen mit größtenteils bekannten Stücken um. Sie textiert viele Lieder neu und erklärt verständlich schöne rhythmische Gestaltungen (Singen, Sprechstücke, Bewegungen oder Begleitung von Musik-Aufnahmen). Die Umsetzungen sind aus der Praxis entstanden bzw. dort erprobt und benötigen wenig Vorbereitungszeit, wenn man die Abkürzungen der Bewegungen/Klänge verinnerlicht hat. Die Auswahl ist inhaltlich meist niederschwellig, aber sicherlich für die Zielgruppe auch eine koordinatorische bzw. rhythmische Herausforderung; verschiedene Schwierigkeitsgrade werden hier bedient. "Sprechgesang trifft Körperklang" ist sicherlich kein umfassend grundlegender Ansatz, aber eine Fundgrube kreativer Ideen, die für die eigene musikgeragogische Arbeit hin und wieder genutzt werden können, wobei sich vieles auch durchaus mit Kindern oder anderen Gruppen umsetzen lässt. Es soll Lust auf diese Art des Musizierens gemacht werden - und das gelingt! Mit einem Augenzwinkern und der Freude auf kleine Herausforderungen kann mit dieser Veröffentlichung Abwechslung in musikalische Gruppenstunden gebracht werden.